Brauchtum & Tradition

Brauchtum & Tradition

copyright Erzberg, Foto: August Zoebl

Montanistisches Brauchtum an der Montanuniversität Leoben

Studenten beim traditionellen Ledersprung

Tradition und montanistisches Brauchtum spielen an der Montanuniversität auch heute noch eine große Rolle. Durch diese Traditionen und Bräuche wirkt der vielbeschworene Leobener Geist lebendig:

  • Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute
  • Ledersprung - das studentische Großereignis in Leoben
  • Bierauszug - die Verabschiedung in die großen Ferien
  • Philistrierung - der erfolgreiche Abschluß des Studiums
  • Der Bergkittel – die Tracht der Bergleute

Die heilige Barbara - die Schutzpatronin der Bergleute

Die heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute. Sie lebte im 3. Jahrhundert nach Christus in Nikomedia in Kleinasien. Ihr Vater, ein Heide, hielt sie in einem Turm versteckt, um ihre Schönheit zu hüten. Als sie die christliche Religion kennen lernte, sah sie in einem christlichen Leben ihre Aufgabe und ließ sich taufen.

Barbara wurde von ihrem Vater dem römischen Statthalter Marcianus ausgeliefert, doch auch ihm gelang es nicht, sie zur Entsagung ihres Glaubens zu bewegen, obwohl er sie foltern ließ. Sie wurde verurteilt und im Alter von 29 Jahren nach 9 Jahren Gefangenschaft von ihrem eigenen Vater enthauptet.

Die Bergleute gedenken der heiligen Barbara am 4. Dezember und dieser Tag besitzt in der gesamten Region besondere Bedeutung. Rund um den Barbaratag - einen der "inoffiziellen Feiertage" - findet auch der alljährliche Ledersprung statt.

Der Ledersprung - das studentische Großereignis in Leoben

Der Ledersprung ist ein alter Brauch, der nur mehr in wenigen Städten derart gelebt wird, wie dies in Leoben der Fall ist. Den Mittelpunkt, die tiefe Bedeutung, spielt der Sprung über das Bergmannsleder, auch Arschleder genannt. In früheren Zeiten war das Arschleder das Werkzeug, mit welchem der Bergmann in die Tiefe der Schächte rutschte um in mühsamer Arbeit dem Berg seine Schätze zu entreißen. Von einem kleinen Holzfass springt der Student, mit beiden Beinen und voll Entschlossenheit in seinen neuen Stand, den Berufsstand des Montanisten. Auch heute noch wird der Ledersprung begangen, lebendiges Brauchtum, lebendige Tradition. Ursprung dieses Brauchs ist Schemnitz, mit der Zeit gelangte der Ledersprung auch nach Leoben.

Der Bierauszug - die Studenten werden in die großen Ferien verabschiedet

Der Bierauszug ist eine Leobener Tradition und ist über lange Jahre in Leoben erhalten geblieben. Zum Schluss des Sommersemesters, Ende Juni, treffen sich die Studenten ein letztes Mal, bevor sie sich in die Sommerferien verabschieden. Ihr Ursprung geht auf das 19. Jhdt. zurück - eine Zeit, in der die Ferien noch nicht mit Freizeit gleichzusetzen waren: für die meisten Studenten bedeuteten die Sommermonate harte Arbeit in Bergwerken und Hüttenbetrieben. Doch keiner von ihnen konnte sicher sein, diese gefährliche Zeit unbeschadet zu überstehen.

Das ist auch der Hintergrund des Bierauszugs: am jeweils letzten Mittwoch im Juni wurden bzw. werden die Studenten vom Rektor der Montanuniversität in die Sommerferien verabschiedet. Und mit ihnen zieht auch das "Biertrinken" aus. Daher der Name "Bierauszug"

Die Philistrierung - der erfolgreiche Abschluss des Studiums wird gefeiert

Auch die Philistrierung ist ein lebendiges Stück bergmännische Tradition. Dabei geht es um ein spezielles "Ritual", in welchem der Philistrant, also jener, der sein Studium erfolgreich mit dem Titel Diplom Ingineur mont. abgeschlossen hat, sein abgeschlossenes Studium feiert. Der Philistrant fährt dabei auf dem „Gösser-Bierwagen“, einem alten Pferdefuhrwerk. Am Portal der Universität wir die feierliche Philistrierungszeremonie vollzogen. Der Neophilister nennt seine Studiensemester und wird entsprechend der genannten Anzahl an das am Tor hängende Semesterbrett geschlagen! Der Festzug begibt sich anschließend singend auf den Hauptplatz, wo der „Bergmann“ (dieser stellt im studentischen Brauchtum die verkleidete Hl. Barbara dar) vom Neophilister den Abschiedskuss erhält.

Der Bergkittel – die Tracht der Bergleute

Der Bergkittel, die Tracht der Bergleute, ist eng mit der Geschichte des Bergbaus verbunden. Er wird unter anderem von den Professoren und Studenten der Montanuniversität Leoben zu offiziellen Anlässen, wie Akademischen Feiern oder dem Ledersprung getragen.

Der Bergkittel ist auch heute noch ein Symbol für die harte und gefährliche Arbeit der Berg- und Hüttenleute. Doch wer ihn genauer betrachtet, findet noch mehr Symbole:

Der schwarze Stoff steht für die Dunkelheit im Stollen, die goldenen Knöpfe symbolisieren das Licht der Sonne.

Der Bergkittel weist insgesamt 29 Knöpfe auf, sie symbolisieren das Alter der Heiligen Barbara, in dem sie von ihrem Vater enthauptet wurde. Die obersten drei Knöpfe werden offen getragen. Die heilige Barbara wollte zur Erinnerung an die Heilige Dreifaltigkeit drei Fenster in ihrem Turm haben. Der Pelerinkragen hatte ursprünglich eine Schutzfunktion vor Schmutz und Nässe, er verweist auf den Ursprung des Bergkittels und besitzt neun Zacken, die die Dauer der Gefangenschaft der hl. Barbara symbolisieren.

Die Zopfborten am Ärmel repräsentieren den Docht der Grubenlampe. Je nach Studienrichtung werden am Ärmel verschiedene Embleme getragen. Der Leobener Kleidermachermeister Hans Woschner ist als Experte für Trachten und Bergkittel nach Maß (gemäß überlieferten originalen Schnitten) „Bestellter Trachtenberater des Landes Steiermark“.

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