Montanhistorische Wanderung
"Glanzkohlen Bergbau Leoben-Seegraben"Ein sehr wichtiger Teil der Leobener Geschichte sind die 238 Jahre des Leobener Glanzkohleabbaues. Bis 1964 wurde im Seegraben aktiv abgebaut, womit der Abbau zu den ältesten Österreichs zählt. Auf einer Länge von 6,5 bzw. 10,5 km führt der Weg von Münzenberg in den Seegraben, weiter auf den Veitsberg und nach Prentgraben. Anhand von elf Schautafeln entlang des Weges, deren Fotos einen visuellen Überblick über das Aussehen und Erscheinungsbild des ehemaligen Bergbaureviers geben, erhält man einen intensiven Eindruck über diesen Teil der Leobener Geschichte.


Barbarakapelle (1) An dieser Stelle befindet sich eine Felsspalte, die einst als Pulvermagazin Verwendung fand. Um 1860 richteten Bergknappen in diesem Fels eine Kapelle ein, die der heiligen Barbara geweith wurde. Die heilige Barbara ist Schutzpatronin der Bergleute und seit vielen Jahrhunderten als Fürbitterin für den Bergsegen und gegen den jähen Tod eine ständige Begleiterin der Bergknappen. Ihr traditioneller Gedenktag wird am 4. Dezember gefeiert. Am 19.9.1991 wurde die von vielen freiwilligen Helfern wiedererrichtete Barbarakapelle mit einem großen Fest, das die tiefe Verbundenheit der gesamten Bevölkerung von Leoben mit "ihrem Bergbau" und den dort beheimateten Menschen dokumentierte, geweiht.Traugottstollen (2) Dieses Stollenmundloch ist der letzte noch sichtbare Teil des Traugottstollens. Er gehörte zum Schutzengelbau und wurde um 1880 als Tagstollen angelegt. Die Länge betrug 262 m. Bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts kamen auch Pferde für den Transport im Berg zum Einsatz. Diese Grubenpferde blieben meist untertags. 1924 wurde der Abbau im Traugottstollen eingestellt.
Bremsberg (3) Der Bremsberg war ein Teil einer Fördereinrichtung, welche obertags als auch untertags verwendet wurde. Hier wurde mittels Grubenhunten Kohle, vermischt mit taubem Gestein, sowie altes Grubenholz von den Obertagbetrieben auf den Sturz (Halde) gebracht. Zudem diente diese als Schrägaufzug zur Personenbeförderung. Der Bahnbetrieb erfolgte sowohl ein- als auch zweigleisig. Als Antrieb fungierte ein elektrischer Haspel (Seilwinde), der von einem Mann bedient wurde. Auf der Halde klaubten die sogenannten "Sturzweiber" händisch aus dem vermischten Gut das verwendbare Material, wie Holz und Kohle, aus.
Anna-Schachte (4) 1875 begann das Abteufen des 188 m tiefen Anna-Haupt-Schachtes sowie des dazugehörigen Wetterschachtes unter Franz Ritter von Friedau jun. Den Namen erhielt der Schacht von der Gattin des Gewerken. Die 1879 eingebaute Dampffördermaschine zählte zu den modernsten Anlagen ihrer Zeit, die sogar auf der Pariser Weltausstellung (1878) vorgestellt wurde. Mit Hilfe dieser technischen Errungenschaft konnte die abgebaute Kohle auf den Anna-Stollenhorizont gehoben werden. Mit der Inebtriebnahme des Zahlbrucknerschachtes 1930 erfolgte im Dezember dieses Jahres die Stilllegung des Schachtes. Der Abbau in Annabau blieb jedoch bis 1964 bestehen. Das Fördergerüst dieses Schachtes wurde abgetragen und im Hof der Montanuniversität Leoben zu Studienzwecken aufgestellt. Heute sind nur mehr zwei teilweise erhaltene Betriebsgebäude zu sehen. Der Anna-Wetterschacht wurde im Sommer 1964 verstürzt.Zahlbrucknerschacht (5) Am 30. März 1930 wurde der Zahlbrucknerschacht in Betrieb genommen. Er war benannt nach August Zahlbruckner, dem damaligen Vorstandsmitglied und Technischn Zentraldirektor der Österreichisch-Alpine-Montangesellschaft. Der 172 m tiefe Hauptschacht des Reviers war mit einer elektrischen Turmföderanlage ausgestattet. Die Betriebsanlagen stellten den neuesten Stand der Bergbautechnik in den 30er Jahren dar. Unter Tag gab es eine 1500 m lange Förderverbindung mti dem Wartinbergschacht. Am 28. März 1964 rollt er letzte Hunt mit Seegrabner Glanzkohle über die Förderbrücke. Prominzent aus Politik und Bergbau und eine vielhundertköpfige Menschenmenge bildeten den würdigen Rahmen. Damit endete die 238jährige Geschichte des ältesten österreichischen Kohlenbergbaus. Die Sprengung des Schachtturmes erfolgte am 27. August 1964.
Bergmannsdenkmal (6) Dieses Denkmal am Eingang in das Seegrabner Tal stand einst am Friedhof in Judendorf. Es wurde zur Erinnerung an das Grubenunglück 1882 dort aufgestellt. Dieses Ehrenmal soll auf die gefahrvolle Arbeit der Bergleute hinweisen.Bergdirektion (7) Das Gebäude der ehemaligen Bergdirektion (erbaut 1912) zählt zu den wenigen Häusern des Seegrabner Reviers, das in seinem ursprünglichen Aussehen erhalten geblieben ist. Vonhier aus verwaltete die Bergdirektion Seegraben die drei Reviere Münzenberg, Draschebau und Schutzengelbau.
Wartinbergschacht (8) Der Schacht wurde 1875 angeschlagen und als Hauptförderschacht bis auf eine Tiefe von 302 m geteuft. Der Name dieser zum Draschebau gehörenden Anlage leitet sich vom Adelsprädikat des Besitzers, Richard Drasche von Wartinberg, her. In diesem Revier ging der Übergang zum Tiefbau früher vonstatten als im Anna- und Schutzengelbau. Die gewonnene Kohle fand bei der Befeuerung der Wienerberger Ziegelfabrik der Familie Drasche Verwendung, deren Produkte bei den gründerzeitlichen Stadterweiterungsbauten in Wien eingesetzt wurden. 1955 kam es zur Einstellung des Betriebes und im Jahr danach zur Schleifung der Anlagen. Heute deckt sich das Areal des Tennisplatzes mit jenem der ehemaligen Betriebsanlagen.Richardschacht (9) Dieser Schacht, der zum Draschebau gehörte, war benannt nach dem Revierinhaber Richard Drasche von Wartinberg und wurde im Jahr 1886 abgeteuft. Seine Tiefe betrug 214 m. 1928 passierte ein folgenschweres Unglück, als ein Förderkorb in die Tiefe stürzt. Dabei kamen 5 Bergleute ums Leoben. Die Schließung erolgte zeitlich mit dem Wartinbergschacht 1955. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Betriebsgelände ein Hundeabrichteplatz.
Schutzengelschacht (10) Dieser Schacht gehörte zum Schutzengelbau, dem nördlichsten der drei Seegrabner Reviere. Die erste Bergbautätigkeit datiert bereits aus dem Jahre 1811. Nach der Auskohlung der Jandl- und Johannistollenbaue wurde der 150m tiefe Schutzengelschacht geteuft. 1884 ging der Schacht, der mit einer Zwillingsdampffördermaschine ausgerüstet war, in Betrieb. Im selben Jahr wurde eine 600 m lange, normalspurige Schleppbahn zum Verladebahnhof Leoben errichtet. Diese musste aufgrund der Störungsanfälligkeit infolge zu starker Neigung 1913 eingestellt werden. 1936 erfolgte der Versturz der Schachtes und das Abtragen des Förderturms.
Nuchtenschacht (11) Der Schacht war benannt nach dem Montanisten und Bergrat Josef Nuchten, der im Draschebau Mitte des 19. Jahrhunderts fortschrittliche Abbaumethoden einführte und zweckmäßige Wasch- und Siebanlagen errichtete. Der Nuchtenbau gehörte als östlichster Ausläufer der Seegrabner Reviers zum Draschebau. 1872 erfolgte das Abteufen des Nuchtenschachtes, der eine Tiefe von 150 m aufwies. Der Förderturm war teilweise aus Holz gebaut und stand bis 1951 im Einsatz. Die Schachtanlagen wurden ein Jahr später verstürzt.
Tollinggraben - Das Glanzkohlenvorkommen im Tollinggraben gehörte zum nördlichsten Teil des Leobener Kohlenbeckens, mit dessen Abbau um 1880 begonnen wurde. 1875 waren zwei Reviere von Heinrich Drasche Ritter von Wartinberg und Franz-Mayr-Melnhof in Betrieb. Die gewonnene Kohle kam im 19. Jahrhundert noch mittels Pferdefuhrwerken nach Leoben. Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte der Kohlentransport mit Hilfe einer 7 km langen Hochseilbahn von der Sortieranalge Tollinggraben über Knappenriedel und Schmölzerkogel zur Verladestation Münzenberg in Leoben. Zu dieser Zeit waren mehr als 200 Bergleute im Tollinggraben beschäftigt. Am 25. Oktober 1921 wurde der letzte Kohlenhunt aus dem Theodora-Flöz gefördert.





